Kutscherblog

dies und das – bunt gemixt

„Racial Profiling ist verboten, deshalb war das kein Racial Profiling“

Hinterlasse einen Kommentar

„Racial Profiling ist verboten, deshalb war das kein Racial Profiling“, so Oliver Huth, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter in NRW, heute Vormittag im WDR. Logisch. Klauen ist ja auch verboten, wenn ich also irgendwo was mitnehme, ohne zu bezahlen, so habe ich auch nicht geklaut. Bisher hatte ich den Zusammenhang zwischen Verboten und Tun und Lassen  irgendwie anders verstanden, aber wenn er das sagt, wird es wohl so sein.finissons

Aber das sind zu vernachlässigende Stilblüten, die das Thema Silvester 2016/17 in Köln mit sich bringt. Ebenso wie die Aussage eben dieses Herrn, dass man in den Zügen homogene Gruppen ohne Frauen beobachtet und dann herausgeholt hat. (Homogen ist in diesem Fall das, was ein weißer deutscher Polizist unter einem Nordafrikaner versteht). Und zwar u. a. dann, wenn die Mitglieder dieser homogenen Gruppen ohne Frauen laut gelacht haben. Lautes Lachen in Zügen auf dem Weg zur Silvesterparty ist augenscheinlichen Nordafrikanern nicht erlaubt. Auch logisch. Wenn sie schon zu einer Silvesterparty fahren, dann doch bitte still und leise und in sich gekehrt, wie sich das gehört.

Der Sinn dieser ganzen Aktion, die da von der Kölner Polizei durchgeführt wurde, erschließt sich mir nicht wirklich. Um Sicherheit und Schutz vor Taschendieben, Antatschversuchen, sexuellen Übergriffen usw. zu bieten, erwarte ich bei einer solchen Veranstaltung, dass Präsenz gezeigt wird und zwar von Schutzmännern und Schutzfrauen. Dass sie vor Ort sind, ansprechbar sind, die Augen offen halten und eingreifen, wenn nötig, und Hilfe leisten, wenn diese erforderlich wird.

Aber was geboten wurde waren bedrohliche Gestalten im Kampfanzug, die Menschen nach dem Augenschein in gut und böse sortierten und einkesselten. Wundert sich heute wirklich noch jemand darüber, dass aus Angst Aggression entsteht? Vielleicht sogar bei Menschen aus Nordafrika, die ihre eigenen Erfahrungen mit Uniformierten mitbringen, noch mehr als bei Einheimischen?

Was geboten wurde war das Sortieren nach den Kriterien eines Racial Profiling in diejenigen, die feiern durften und diejenigen, die man weiterschickte. Aber wenn sie doch zu böse, zu aggressiv waren oder auch nur zu laut lachten, um mitfeiern zu dürfen, warum mutete man sie dann anderen Orten zu, außerhalb der Kölner Feierzone? Waren sie für andere Gegenden besser verträglich?

Das alles zeigt einen undurchdachten Aktivismus. Man musste etwas tun, aber was nur? Den starken Mann markieren, den Schein wahren, alles im Griff zu haben, das macht Eindruck. Aber macht es auch Sinn?

Alles hätte so schön sein können, wenn wir Schutzleute hätten, statt Polizeitruppen. Dann hätten alle zusammen gefeiert und man müsste nun nicht wieder unschöne Diskussionen führen und sich diese seltsamen pseudo-logischen Erklärungen anhören, die unser gesamtes Rechtssystem ad absurdum führen: Racial Profiling ist verboten, also ist das Aussortieren von – die eingesetzten Beamten – nordafrikanisch anmutenden Männern kein Racial Profiling. Weil nicht sein kann was nicht sein darf sind wir nicht rassistisch, weil nicht sein kann was nicht sein darf hat alles seine Ordnung und eine Entschuldigung für die öffentliche Verwendung der internen Bezeichnung Nafri für nordafrikanische Intensivtäter genügt, um die Welt wieder ins Lot zu bringen.

 

Man stelle sich vor, jemand würde alle Menschen, die nach Augenschein deutsch sind, unter den Begriff Nazi fassen und aus Europa werfen … aber nein, darum geht es hier ja nicht, das lässt sich ja nicht vergleichen.

Advertisements

Autor: mariabraig

Ich bin 1957 im tiefen Süden der Republik geboren und über einige Zwischenstationen, ungefähr 50 Jahre später, in der Friedensstadt Osnabrück, angekommen. Nach dem Studium der brotlosen Fächer Germanistik und Kulturwissenschaft führte mein Weg über den ähnlich brotlosen Beruf der Lektorin in einem Tübinger Kleinverlag, dessen Ende sich bald abzeichnete, über eine kurze Phase der Selbständigkeit (Versandhandel mit umweltfreundlichen Schul- und Büroartikeln) auf die Straße: Als LKW-Fahrerin verdiene ich mir seit vielen Jahren meine Brötchen und noch so einiges mehr und wenn ich dabei den ganzen Tag am Fenster sitze und hinausschaue, so schweifen die Gedanken oft in alle möglichen Ecken und Winkel, und es entstehen dabei häufig Textfragmente im Kopf, die dann baldmöglichst aufs Papier müssen, bevor sie wieder verfliegen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s