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dies und das – bunt gemixt

Burkini für alle

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Badespaß für alle

Badespaß für alle

Der Spießrutenlauf im Kopf beginnt schon lange, bevor man die Blicke auf der nackten Haut spüren kann, lange bevor man Kichern und Tuscheln zu hören glaubt und selbstverständlich auf sich bezieht. Der Spießrutenlauf im Kopf hält vermutlich so manche Frau (mittlerweile wohl auch so manchen Mann, hier schreitet die „Gleichberechtigung“ mit großen Schritten voran), die nicht dem gängigen Schönheitsideal entspricht, davon ab, das Freibad oder den dicht besetzten Badestrand zu besuchen.

Wir sind gezwungen, uns fast nackt in die Öffentlichkeit zu begeben, wenn wir schwimmen wollen, auch wenn wir uns damit vielleicht so ganz und gar nicht wohl fühlen. Wir sind gezwungen – ja warum eigentlich? Weil es sich so gehört, weil man das so macht, weil es schon immer so war, jedenfalls, so lange wir selbst denken können. Wir bewegen uns fast nackt und unsicher zwischen vielen Menschen, die anscheinend dieses Problem nicht haben und die uns von oben bis unten taxieren. (So glauben wir jedenfalls, denn so wird es uns nicht nur durch die Werbung unentwegt glauben gemacht). Die die vorbeiflanierenden oder auch vorbeihuschenden Körper begutachten: Der Bauch ist aber sehr schwabbelig und die Oberschenkel viel zu dick. Sieht man da nicht bereits die ersten Anzeichen von Zellulitis? Der Busen – naja, den kann man so durchgehen lassen, aber um Himmels Willen, sie hat die Beine nicht rasiert. Und unter den Achseln sehen büschelweise Haare hervor – igitt, wie eklig!

Wer sich nicht anpassen mag, wer nicht spätestens im März damit beginnt, die sommerliche Bikini-Figur herbeizuhungern, muss das aushalten. Und wenn nicht, eben zu Hause bleiben.

Da ist doch der Burkini (am besten Unisex) die optimale Lösung. Endlich haben wir etwas gefunden, was uns frei macht, schwimmen gehen zu können, ohne unsere unperfekten Körperlichkeiten zur Schau stellen zu müssen. Der Burkini für alle, die nicht genügend Selbstbewusstsein haben, ihre Nacktheit begutachten zu lassen, das wär’s!

– wenn da nicht die anderen Blicke wären: Oh, die arme unterdrückte Frau, Sklavin ihres Mannes. Und der Bauchansatz? Das ist doch bestimmt ein Sprengstoffgürtel!

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Autor: mariabraig

Ich bin 1957 im tiefen Süden der Republik geboren und über einige Zwischenstationen, ungefähr 50 Jahre später, in der Friedensstadt Osnabrück, angekommen. Nach dem Studium der brotlosen Fächer Germanistik und Kulturwissenschaft führte mein Weg über den ähnlich brotlosen Beruf der Lektorin in einem Tübinger Kleinverlag, dessen Ende sich bald abzeichnete, über eine kurze Phase der Selbständigkeit (Versandhandel mit umweltfreundlichen Schul- und Büroartikeln) auf die Straße: Als LKW-Fahrerin verdiene ich mir seit vielen Jahren meine Brötchen und noch so einiges mehr und wenn ich dabei den ganzen Tag am Fenster sitze und hinausschaue, so schweifen die Gedanken oft in alle möglichen Ecken und Winkel, und es entstehen dabei häufig Textfragmente im Kopf, die dann baldmöglichst aufs Papier müssen, bevor sie wieder verfliegen.

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